Erdöl im Aufwärtstrend

Rohöl ist weltweit der bedeutendste Energieträger und das Geschäft mit Öl eines der lukrativsten überhaupt. Rund 36 Prozent des Primärenergieverbrauchs werden über Öl gedeckt. Auch für die Chemische Industrie ist Erdöl von zentraler Bedeutung. Es ist Bestandteil zahlreicher Produkte von Kunststoffen bis hin zu Medikamenten. Da es bisher nur wenige oder gar keine Alternativen gibt, ist die Abhängigkeit von Erdöl groß. Gebiete mit besonders starkem Erdölverbrauch sind Australien, Asien, Nordamerika und Europa.

Wie sich derzeit zeigt, kann der Ölpreis hohen Schwankungen unterliegen. Die Preisentwicklung hängt von zahlreichen Faktoren ab: Von entscheidendem Einfluss ist das Verhalten der OPEC, die Bereitstellung ausreichender Förder- und Raffineriekapazitäten sowie die Entwicklung der Weltwirtschaft. Angesichts der hohen spekulativen Anteile am Ölmarkt sind Schwankungen von einigen US-Dollar pro Barrel im Tagesabstand auch in Zukunft wahrscheinlich.

Langfristig steigende Preise

Langfristig jedoch bleibt der Trend ungebrochen: Die Nachfrage nach Erdöl und Erdgas ist in den vergangenen Jahrzehnten stetig gestiegen. Allein in den letzten Jahren hat sich der Rohölpreis um mehr als das Zehnfache verteuert. Diese Preisentwicklung wird sich nach Meinung vieler Experten weiter fortsetzen.

Obwohl vor allem die höher entwickelten OECD-Staaten der Pazifik-Region und Westeuropas durch gezielte Energiesparmaßnahmen bis 2030 vermutlich weniger Erdöl brauchen werden, rechnet eine aktuelle Studie der IEA (Internationale Energieagentur) mit etwa gleich bleibendem Erdölbedarf in Nordamerika und einer weiter stark wachsenden Nachfrage in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie prognostiziert insgesamt eine Zunahme des weltweiten Rohölbedarfs.

Gute Prognosen bereits ab 2010

Die aktuelle WEO-Studie der Internationalen Weltenergieagentur IEA vom November 2008 untermauert diesen Trend. Langfristig entscheidend sei hingegen nicht allein der Nachfragezuwachs, sondern vor allem der globale Rückgang der Produktion (Global Decline) um geschätzte 6,7% pro Jahr. So dürfte der „depletion mid-point“, bei dem die Hälfte des vermuteten Erdöls gefördert ist, innerhalb der nächsten zehn bis 15 Jahre erreicht werden. Ab diesem Zeitpunkt wird mit einem Rückgang der Förderung gerechnet.

Aufgrund dieses kontinuierlichen Schwunds der Fördermenge rechnet die Studie bereits in wenigen Jahren wieder mit Barrelpreisen zwischen 100 und 120 US-Dollar und prognostiziert ein baldiges Ende des billigen Öls schon ab dem Kalenderjahr 2010.

Die Internationale Energieagentur IEA konzentriert sich erstmals im World Energy Outlook vom November 2008 auf eine zentrale Frage der zukünftigen Ölversorgung, den Förderrückgang und dessen Geschwindigkeit in bereits erschlossenen Ölfeldern. Bei vielen Feldern steigt die Produktion zurzeit noch, andere sind auf oder nahe dem Höhepunkt, aber eine wachsende Zahl von Feldern liefert immer weniger Öl.

Die steigende Öl- und Gasnachfrage erfordert massive Investitionen

Produktionsrückgang entscheidend

Dieser Faktor stellt eine viel größere Herausforderung für die Ölbranche dar, als das in den Medien weitaus stärker beachtete jährliche Wachstum der Nachfrage. Im Schnitt der letzten Jahre war der Förderrückgang drei bis fünf Mal größer als das Nachfragewachstum. 2008 und 2009 ist der Unterschied noch drastischer, weil zwar die Ölnachfrage stagniert, aber der Förderrückgang (globaler Rückgang der laufenden Förderung ca. 6,7% pro Jahr nach Angaben der IEA) trotzdem keine Pause bei den Investitionen erlaubt. Daraus lässt sich jedoch der ermutigende Umkehrschluss ziehen, dass das Wachstum der Ölnachfrage etwa aus China oder Indien nicht der entscheidende Faktor in der globalen Ölbilanz ist.

Der Förderrückgang („decline rate“) ist somit von herausragender Bedeutung für jede Schätzung der zukünftigen Ölversorgung und hat wesentliche Auswirkung auf die Höhe der notwendigen Investitionen.

 

Prognose (ab 2005 bis 2025) Jährliches Wachstum Rohölbedarf